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04109 Leipzig – Otto-Schill-Strasse 7

Corona-Probentagebuch 6

Von Karla…..Mittwoch, 16 Uhr. Ich lasse die letzten Kinder durch das Tor der Kita zu ihren Eltern rennen. Die vorherigen zwei Stunden vergingen wie im Flug. Ich hatte zu tun, die verschiedenen Gruppen anzufunken und alle Kinder mit ihren Rucksäcken, diversen Jacken und den über den Tag gemalten Bildern sicher in die Hände ihrer Eltern zu übergeben. Kaum hat das letzte Kind das Haus verlassen, schwinge ich mich auf mein Rad und düse durch die Kleingartenanlagen nach Hause.
Kaum durch die Tür rein schmeiße ich meinen Rucksack in die Ecke, setze mich auf den Stuhl vorm Schreibtisch und suche wie jeden Mittwoch schweißgebadet in der Theater Whats-app-Gruppe nach den Zugangsdaten für das Zoom Meeting.
Endlich, gefunden. Es ist 17 Uhr, und ich will nur noch schnell das Passwort eingeben, da stellt sich raus, dass ich um beizutreten noch eine neue Version der Videoapp, die Zoom nutzt, herunterladen muss. Super nervig.
Aber dann, nach 10 Minuten ist alles bereit und eingegeben. Ich drücke auf das große blaue Feld in der Mitte meines Bildschirms und ZACK ploppen super viele bekannte Gesichter auf. So. Jetzt kann ich mich erstmal zurück lehnen und Leute beobachten.
Viele sehen aus als hätten sie sich extra fein gemacht. Die Haare sind gekämmt oder gekürzt und die Auswahl der Klamotten ist für Coronazeiten überraschend stylisch. Andere sehen aus als säßen sie im Schlafanzug vor der Linse. Aber das ist auch jede Woche anders. Ich hätte mein Zimmer vielleicht nochmal aufräumen können. Jetzt ist es aber auch egal. Spätestens nach der Ganzkörperaufnahme während Helenes Tanz Warmup bin ich ein offenes Buch für alle, die zusehen. So richtig hat das mit dem Tanzen lernen auch wieder nicht funktioniert. Springen geht jedenfalls nicht, wegen der Untermieter.
Jetzt geht es in die Kleingruppen und Stefan hat Zeit, uns allen viele wertvolle Tipps und Anregungen zu den zu lernenden Texten zu geben. Wir beginnen unsere Parts vorzulesen und weiter an unserer Performance zu arbeiten. Obwohl es anders ist als beim „richtigen“ Theater komme ich so langsam rein, in diese verrückte Welt, in der man sich nur über die Kamera des Laptops sehen und zueinander sprechen kann.
Nach 15 Minuten mit Stefan wird eine andere Szene geprobt und ich verlasse ohne mich richtig zu verabschieden den Zoomcall. Alleine sitze ich in meinem jetzt so stillen Zimmer und vermisse die Stunden nach Theater, in denen man nochmal Zeit hatte, sich auszutauschen oder einfach nur beisammen zu sein. Es ist einfach nicht das selbe.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. Juni 2020 von in Uncategorized.
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